
Zur Freude meiner Nachbarn habe ich mich gestern zum wiederholten Male bis tief in die Nacht darum bemüht, aus meiner Wohnung dem Namen gemäß einen wohnlichen Raum zu machen, denn es handelt sich ja dabei im Wesentlichen um genau einen Raum, der mit mehreren Regalen, 57 Umzugskisten und diversen weiteren Möbeln aufgefüllt war. Um kurz nach drei entschied ich mich dann, einen kleinen Nachtspaziergang in die Altstadt zu Jannis' Wohnung anzutreten. Kaum aus der Haustür getreten, stellte ich fest, dass ich erstens einen orangefarbenen Mitteilungszettel von DHL vor der Haustür verloren hatte und dass zweitens die Fenster im Erdgeschoss des Nachbarhauses hell erleuchtet waren. Draußen schneit es übrigens inzwischen wieder wie wild und mein Radiofavorit im hiesigen Kabel, Ö3 aus unserem lustigen Nachbarland, sendet Maoam-Werbung. Ich beschließe grade später lediglich in Österreich als Lehrkraft zu arbeiten. Dort wird man von den Schülern wenigstens mit "Herr Professor" angesprochen. Expert entsorgt meine alte Waschmaschine, höre ich soeben, ich hätte ja auch noch ein solches Gerät in meinem sogenannten Mieterkeller. Nächster Höhepunkt: Und nun ist auch die Waschmaschine total verlkalkt "Se hoams oaba koa guats Woaschwossa". Jedenfalls erblickte ich im hell erleuchteten Küchenfenster des Nachbarhauses den riesigen entblößten Hintern einer großen und sehr übergewichtigen Person mit langem dunklen Nackenhaar. Während die Person minutenlang und recht ungehemmt über den Inhalt des Kühlschranks herfiel und sich immer weitere Nahrungsberge in die Vorderseite des Kopfes stopfte, wackelten die breiten Speckschwarten an ihrem Rücken lustig hin und her. Leider ist das Foto, das ich sogleich mit meiner Mobiltelefonkamera schoss, trotz Nachtmodus von lachhafter Qualität. Länger wollte ich meinem Voyeurismus dann aber doch nicht fröhnen, zu groß erschien mir die Gefahr, die Person könne sich umdrehen und dem nächtlichen Wanderer noch mehr eindrucksvollen Speck präsentieren.
Ich glaube, ich erwähnte vor einiger Zeit meine neue Freundin, die interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforscherin der Universität Augsburg (angeblich: Bert-Brecht-Universität, ist aber weder auf den Briefköpfen der Uni noch irgendwo im oder am Gebäude zu lesen - von AStA-Aushängen abgesehen). Ein Freund konnte sie gestern dabei beobachten, wie sie weitere geheime Bücherstapel auf den Tischen der Bibliothek anlegte. Zwischendurch ließ sie unter leisem Grunzen ihren runden Kopf auf dem speckumfassten Halsstumpf kreisen, um sich anschließend mit einem lauten Seufzen erst an den Nacken zu fassen und dann genüsslich in den Ohrlöchern zu bohren. Ich werde nun meinen Wochenendeinkauf bei real machen, wenn ich den real-Markt finde. Khai wird mich morgen besuchen, und zur Zeit habe ich nur Bier und die Sirupflaschen im Kühlschrank, die nicht beim Einräumen der Schränke auf den Küchenfliesen zerschlagen sind. Schon immer wollte ich so einen richtigen ausgedehnten Wochenendeinkauf machen wie alle diese sympathischen Familien, denen man immer mit zwei übervollen, nicht zu navigierenden Einkaufswägen und drei plärrenden und willkürlich in die Regale grapschenden Kindern in engen Supermarktgängen begegnet. Ich muss kurz schauen, ob ich noch einen der Jogginganzüge im Schrank finde, die Jannis bei seinen real-Einkäufen stets zu tragen pflegt. Und noch ein kleiner Hinweis: Der Tauerntunnel ist für kurze Zeit gesperrt. Dort werden drei Schwertransporte durch den Tunnel geschleust. Ich mag es, dass in Österreich jede Autobahn und beinahe jede Bundesstraße neben einer Ziffer noch einen hübschen Namen tragen.
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