
Dann habe ich nach längerem Warten, denn zwei der vier Kopierer funktionierten gar nicht, und das war ein Kopierer mehr als gestern, als nur einer von vier Kopierern gar nicht funktionierte, eine Runde kopiert, aber nur eines von den vier Büchern, aus dem Besten der vier Bücher habe ich kopiert, die anderen drei habe ich auf einen Tisch gelegt, um mir standesgemäß meinen eigenen Bücherstapel zu erstellen, später erfuhr ich dann, das ich das gar nicht darf, mir einen eigenen Bücherstapel zu erstellen, wie all die anderen, die sich auch eigene Bücherstapel in der Bibliothek erstellt haben, und die Bücherstapel haben zum Teil einen sehr beachtlichen Umfang erreicht, das kann ich ohne jede Übertreibung feststellen, ich hätte nämlich, um mir legal einen eigenen Bücherstapel zu erstellen, das heißt, ohne gegen die Regeln zu verstoßen, eine Genehmigung von der Fakultät einholen müssen, in der es dann in etwa geheißen hätte, dass ich das unveräußerliche Recht besitze, mir einen eigenen Bücherstapel in der Bibliothek anzulegen, weil ich einen eigenen Bücherstapel in der Bibliothek für meine wissenschaftliche Arbeit in jedem Fall benötige, wobei ich mir beinahe sicher bin, dass die Arbeiten für mein Seminar in historischer Demographie der Frühen Neuzeit auch als wissenschaftliches Arbeiten hätte gelten können, dann habe ich aber die Bibliothek verlassen mit meinen 88 Kopien, und es ist kühl geworden, und der Hunger peinigt mich, wenn ich es so - mit leichter Übertreibung - sagen darf, und ich verlasse das Gebäude und die ersten Regentropfen fallen vom Himmel, am Morgen war es noch sonnig und am Vormittag dazu recht warm gewesen, doch die Regentropfen fallen plötzlich, wie so oft in der letzten zeit, wenn ich ein Gebäude verlassen habe, als hätte man auf mich gewartet, um meinen gefühlen ausdruck zu verleihen, aber das ist dann doch etwas zu hoch gegriffen, merke ich, und Gott beschwert sich auch gleich bei mir ob dieses Sakrilegs mit einem lauten, erschütternden Donnern, so dass ich gleich in die Buchhandlung fahre, wo niemand weiß in welchen Bänden, ob in Sammelbänden oder anderen Anthologien ich die gesuchten Texte deutscher Autoren des neunzehnten Jahrhunderts finden kann, aber ich bin nicht erbost, ich winke ab und sage den Verkäuferinnen, dass ich mich selbst auf die Suche machen werde, dass ich in die Bibliothek gehen werde und suchen werde nach den Texten, die ich benötige, denn ich möchte keine zweibändige Ausgabe der Gesammelten Werke im Deutschen Klassiker Verlag für zweihundertachtundvierzig Euro bestellen, auch wenn, wie ich sofort einräume, es sich bei diesen Ausgaben im Deutschen Klassiker Verlag um die schönsten Ausgaben handelt, die man sich überhaupt vorstellen kann, und ich bestelle doch noch etwas, zwei Reclamausgaben und zwei aus dem Suhrkamp-Verlag, und schon Montag werden sie eintreffen, und mein Name ist in der Kundendatei mit Doppel-S geschrieben und als meine Adresse ist in der Kundendatei die der ehemaligen Wohngemeinschaft von J. in der Maximilianstraße angegeben, und einige Stunden später hole ich die drei verbliebenen Bücher von meinem eigenen Bücherstapel in der Bibliothek und entleihe sie über das Wochenende, und dann besuche ich eine Kinovorstellung in einem sogenannten Programmkino und sehe den Film Monster, der mich sehr bewegt und der mir das unmissverständliche Gefühl gibt, dass man es nicht so weit kommen lassen darf, und ich denke, dass mir der Kinofilm genau dieses unmissverständliche Gefühl geben sollte, dass es eben die Absicht der Filmemacher gewesen ist, während sie ihrer Arbeit an diesem Kinofilm nachgegangen sind, möglichst vielen Menschen so wie mir beim Betrachten dieses Kinofilms das unmissverständliche und sehr eindringliche Gefühl zu geben, dass man es nicht so weit kommen lassen darf, und dann denke ich kurz, was ich nur wenige Stunden zuvor aus einem ganz anderen Zusammenhang heraus schon einmal getan hatte, an die Gesellschaft, in der ich lebe, und ich verstehe noch viel weniger als noch wenige Stunden zuvor, wie diese zutiefst kranke und in ihren Grundfesten längst morbide, im höchsten Maße lebensfeindliche Gesellschaft, die aber noch nicht das Höchstmaß der Existenzfeindlichkeit erreicht zu haben scheint, die andere, vergleichbare - denn nur darum kann es gehen - Gesellschaften schon längst erreicht haben, wie also diese meine Gesellschaft, die sich kaputt gelebt hat in ihrer störrischen und blinden Unveränderlichkeit, in ihrem grotesken Willen zur unauflöslichen Bestandswahrung, wo es doch nichts mehr außer dem Missstand zu wahren gibt, bis zum heutigen Tage weiter existieren kann, noch immer ohne sich zu zerfleischen, ohne die größten Auflösungserscheinungen für alle offen sichtbar nach außen zu tragen und ohne den Menschen in dieser Gesellschaft permanent das überfällige, letztgültige Gefühl ihrer Vernichtung zu geben, und jetzt sitze ich vor einer Lampe, die ein trübes, aber warmes Licht spendet, und blicke auf die Wipfel vor meinem Fenster, die ganz allmählich grün werden, denn es ist Frühling, und schon wieder grollt und donnert es in der Ferne, und beinahe denke ich, dass Gott mich für mein zügelloses, unzüchtiges Schreiben neuerlich und auf subtile Weise noch viel eindringlicher verwarnen möchte, doch dann stellt sich alles nur als das ferne Abschlussfeuerwerk des hiesigen Karnevalsfestes heraus.
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