
Mein Blog ist endlich wieder, ähnlich wie das regelmäßig aktualisierte
Bourgeoisie.de übrigens, am Start und ganz England trauert. Während ich mit der wenig erbaulichen Auswertung meiner Oettinger Handwerkslisten kämpfte, widerfuhr der elaboriertesten Kulturnation Europas andernorts und in meinem tapfer nebenher dröhnenden Fernseher Großes. Noch ganz trunken vom munteren Geholze der eigenen Spieler und am ohrenbetäubenden Jubel über soviel eigene Waghalsigkeit berauscht, mag dem Einen oder Anderen, gesetzt den Fall, er hatte sich noch nicht auf einen durchschnittlichen Inselpegel getrunken, das Britannia rule the waves oder God save the queen im speckigen Halse stecken geblieben sein. Ich frage mich, ob diese krakelenden Biervernichter mit den hochroten Köpfen auch alle brav an der Europawahl im heimischen Großbritannien partizipiert haben. Den Europafreunden sollen ja gute Zeiten im Land der Toleranz und Weltoffenheit, ja des einzig legitimen Weltregiments, bevorstehen. Inzwischen habe ich übrigens aus feinster altdeutscher Schreibschrift schon 76 sehr digitale Datensätze destillieren können und von mindestens 50 mir gänzlich unbekannten Käffern die Entfernung zur berühmten Weltstadt mit Herz (Oettingen), dem eigentlichen und einzig legitimen Zentrum Schwabens - neben seiner Hauptstadt Augsburg natürlich, berechnet, so kleine Orte, dass sie selbst die Schreiber der Handwerkslisten nicht so genau gekannt haben müssen, da die krakelnden Herren sich nicht auf eine einheitliche Schreibweise der Ortsnamen einigen konnten. Zum Glück gibt es Detailkarten des Schwäbischen und manchmal habe ich sogar zufällig einen der in den Listen genannten Orte entdeckt.
An dieser Stelle nun völlig wertfrei das Zitat aus der Sun, das mich über einige Alltagsstrapazen hinwegzutrösten vermag: "Ein Tritt in die Eier. Zum Kotzen. Zidane plättet England. Die Millionen von Fans, die das Spiel in Pubs verfolgt hatten, haben in ihr Bier geweint statt es zu trinken. Wir sind bestohlen worden. Zidane hat uns in drei Minuten zwei Messerstiche versetzt. Vergesst die Schmerzen dieser verlorenen Elfmeterschießen in Italien 1990 und der Euro 1996. Wenn man über verdammte Qualen auf einem Fußballplatz redet, kommt dem nichts, aber rein gar nichts nahe. Das Land war bereit, von einer magischen Nacht und einem zauberhaften Sieg zu künden, der uns auf den Weg zur Euro-Trophäe gebracht hätte. Das war dar grausamste Finish überhaupt und alle Fans von Manchester United wissen nun, wie sich Bayern München 1999 in Barcelona gefühlt hat."
Und der Daily Mirror merkt sehr richtig an: "diesmal wird über uns gelacht, nicht über ein paar Deutsche, die in den Rasen heulen. Diesmal sind es unsere Tränen."
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