
Es ist ein sonderbares Gefühl, einen ganzen Tag lang über keinerlei Verpflichtung zu verfügen, außer vielleicht zu atmen oder die Toilette aufzusuchen. Auch wenn ich den halben Tag traditionell im Bett verbrachte, gelang es mir doch, noch bei Sonnenschein in die Stadt zu gelangen und - wenn auch die Birkenpollenbelastung unangenehmen Umfang erreicht haben muss, wie mir meine roten Augen mahnend und sehr drastisch verdeutlichen - einige kleine Momentaufnahmen anzufertigen.
Jannis war so freundlich mir eine Kamera zu organisieren, die es mir ermöglicht, Eindrücke digital und in akzeptabler Auflösung festzuhalten, die ich an dieser Stelle der geneigten Leserschaft natürlich nicht vorenthalten möchte. Ganz besonders beachtlich fand ich, wie sich die niedergehende Sonne im Libeskind-Bau an der Kreuzberger Lindenstraße, nicht aber im benachbarten Haus am Checkpoint Charlie spiegelte.

Etwas später senkte sie sich dann dicht am Flugfeld des Tempelhofer Airports über dem Columbiadamm, bekannt für sein Seifenkistenrennen und heute überfüllt mit schon rechtzeitig reichlich bekifften Besuchern des Keith Sweat-Konzerts (und der Alt-R'n'Ber ist immerhin seit 1985 im Buizz, wie der veranstaltende Berliner Radiosender zu berichten weiß), und mein absolutes Lieblingsgebäude am Hermannplatz im Bezirk Neukölln hat sie ohnehin noch nie bescheinen wollen. Ansonsten verbrachte ich meinen Tag damit, eine alte Freundin zu besuchen, und am sogenannten Beach Mitte zwischen viel hellem Sand in der Schwartzkopffstraße im Berliner Bezirk Mitte festzustellen, dass Hardy

diesen Ort sportlichster Höchstleistungen zu meinem allergrößten Bedauern gerade fünf Minuten zuvor verlassen hatte, um einen Döner essen zu gehen. Er sollte an diesem Abend nicht mehr dorthin zurückkehren, so dass ich verzweifelt ob so viel freier Zeit und so vielen Sachzwängen zu Hardys Mitbewohner N. fahren musste, um mit ihm den großartigen Lars von Trier-Film mit Björk in der Hauptrolle zu schauen und schließlich den noch nicht ganz so lauen Abend in einer zu kleinen, aber todschicken roten Trainingsjacke bei

englischem Tee und säuerlich-herbem Geruch aus der nahegelegenen Berliner Kindl-Brauerei, die ihrer Premium-Biermarke Jubiläums-Pilsener übrigens kürzlich ein zweifelhaftes Redesign verpasst hat, das den Charme des Billig-Vulgären, der dieser Marke zuvor über Jahre anhaftete, auf erschreckende Weise vermissen lässt, über den Dächern Neuköllns ausklingen zu lassen.
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