
Natürlich karren skrupellose Reiseveranstalter nicht nur munter unter den wachsamen, aber offensichtlich leicht entzündeten blauen Augen mehrerer bundesdeutscher Ministerien und Exekutivorgane Unmengen ukrainischer TouristInnen ins Land, sondern seit Neuestem auch mit sommerbereiften, vor 1992 von westdeutschen Transportunternehmen ausgemusterten Kässbohrer Setra Kolonnen arbeitswilliger SchlachtereiarbeiterInnen aus vornehmlich osteuropäischen Neu-EU-Ländern. Jene bemitleidenswerten Zeigenossen dürfen dann für etwa 400-800 Euro 12-15 Stunden am Tag oder noch lieber des Nachts Schweine abstechen, Rinder zerlegen oder Hennen köpfen. Meine spontane Idee, für diese verantwortungsvollen Tätigkeiten im großen Stil in bildungsnahen Regionen wie Kroatien, Serbien oder dem Kosovo ArbeiterInnen anzuwerben, lässt sich aufgrund der mangelhaften Umsetzung der europäischen Idee noch nicht verwirklichen. Dänische Schlachtereien schließen ihre Werke nördlich von Deutschlands bildungsfernstem Bundesland und eröffnen diese fernab von Tarifverträgen und jedem Rest menschlicher Moral in Norddeutschland wieder - aber da sich weder Dänen doch Deutsche gerne versklaven lassen, muss auch hier unglücklicherweise auf die unwissenden und flexiblen WerksarbeiterInnen aus den Tiefen Polens oder der Slowakei zurückgegriffen werden, die in ihrer spärlichen Freizeit in erbärmlichen Behausungen ihr durchaus als unglücklich empfundenes Dasein fristen. Diese sogenannten Wohnungen bieten die bemerkenswerte Möglichkeit, sich von aufgebrachten deutschen Gewerkschaftsfunktionären besuchen zu lassen und haben weiterhin den Vorzug, zwar vom Reiseveranstalter zur Verfügung gestellt, hingegen von ihren besserverdienenden BewohnerInnen bezahlt werden zu müssen. Den deutschen Verbraucher, seit Jahren für seine außerordentlich findige Sparsamkeit bekannt, freut es, sofern er kein nun arbeitsloser, von seiner Bundesregierung spitzzüngig diffamierter Hilfsarbeiter ist, kann er sich doch so weiterhin wöchentlich drei Koteletts und sieben fette Schweinsbrühwürste - womöglich fortan gar Brühpolnische - in seinen kritiklosen Wohlstandswanst fressen. Auch so werden deutsche Großunternehmen ihre Gewinne vornehmlich im billigen, lohnnebenkostenarmen und durchweg umweltbewussten Ausland investieren, das bezweifelt niemand. Die dankbare Saktionierung durch den an Blödheit und Stumpfsinnigkeit nicht zu übertreffenden deutschen Endverbraucher macht aber selbst solche Schritte allmählich überflüssig. Während ich mich an meinem schmackhaften und recht malzigen Ronnefeldt Mokalbarie-Assam verschlucke mein herzliches Dankeschön an alle - fresst euch satt, krank und arbeitslos!
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