Liebe versammelte Festgemeinde,
dies ist eine Belohnung. Sozusagen für all jene, die seit einem halben Jahr regelmäßig diese, meine kleine erbärmliche Seite besucht haben und der Verzweiflung und eigenen Steinigung nah auf eine jämmerliche, schnöde Aktualisierung derselben warteten. Ich weiß, dass es euch dort draußen gibt. Wahre, unverbesserliche Anhänger meiner kleinen, schnoddrigen Beiträge, meiner selbstsüchtigen Ergüsse. Mein neuester Fan ist die Rechteverwertungsgesellschaft eines (leider verstorbenen) deutschen Künstlers. Dem Erbe und dem generellen Anspruch der Kunst verpflichtet versendet diese Organisation schön formulierte Briefchen, in denen sie Autoren privater, unbedeutender Internetangebote die Nutzungsrechte an Bildern des angesprochenen, aber nicht namentlich erwähnten Künstlers gegen ein unwesentliches, gänzlich zu vernachlässigendes Entgelt anbietet. Die eigentliche Gretchenfrage, ob nebenher auch noch eine winzige, alsbald zu leistende Strafzahlung fällig wird, überlässt der stille Genießer selbstverständlich dem Schicksal. Ich wollte diese an und für sich unbedeutende Episode nicht unerwähnt lassen, zeigt sie doch, mit welchem artistischen Sachverstand gerade die Mitarbeiter einer Rechteverwertungsgesellschaft, die den Nachlass eines nicht unwesentlichen Künstlers auf ihre ganz eigene und unverwechselbar originelle Art in Ehren zu halten pflegt, quasi ununterbrochen die Tiefen des Internets nach jenen niveauvollen Glanzpunkten absucht, um den Autoren jener Fanale in der Folge alles nur Erdenkliche an sinnstiftender Unterstützung zukommen zu lassen. Und so lebe sie hoch - unserer aller alma mater, die letzte begehrenswerte Verführerin in einer der abgeschmacktesten Vorführungen auf einer toll gewordenen Weltbühne - ist doch nur diese letzte Muse des Lichts imstande, uns für einen einzigen Augenblick kontemplativer Stille aus der jähen Trübheit des unvermeidlichen Herbstes, aus den tiefsten Düsternissen unserer Bedeutungslosigkeit zu reißen und gleichsam aus der deterministischen Schicksalhaftigkeit unserer depotenzierten Existenz zu heben!
Aber was - werte Mitbürgerinnen und Mitbürger - gibt es in diesen Tagen des internationalen Taumelns und Wankens zu berichten? Ich habe im Frühherbst, wenn man das so sagen kann, zwar meinen Geburtstag nicht gefeiert, dafür aber eine durchaus inspirierenden Periode beim Bayerischen Fernsehen verbracht. Erst war IFA und dann war Wahl und dann war ich in Berlin und dann nochmal und dann wieder in München. Meinetwegen kann die neue Bundesregierung diese affige Entfernungspauschale demnächst pulverisieren. Ich bin (ich will euer Mitleid nicht!) in meiner Zeit beim BR problemlos 5000 km dienstlich unterwegs gewesen und niemand wäre nur im Entferntesten auf die geniale Idee gekommen, mir dafür eine Entfernungspauschale oder sonst eine kleine Wohltat angedeien zu lassen.
Die neue presstige-Ausgabe ist soeben erschienen. Ich habe in aller Bescheidenheit beschlossen, dass es sich dabei mittlerweile um das beste Magazin handelt, das zur Zeit am (nicht gerade durch übermäßige Diversifizität und Vielfalt glänzenden) Augsburger Pressemarkt zu finden ist. Bestellungen nehme ich gerne entgegen. Ich habe jedoch kürzlich nach einigen erquicklichen Gängen zu verschiedenen Zweigstellen der Deutschen Post AG bemerken müssen, dass der Postversand 340g schwerer und außerordentlich ansprechend gestalteter Hefte keine dauerhafte Lösung meiner durch und durch existenziellen Probleme darstellt. Die liebevoll gepackten Umschläge mit dem gehaltvollen Inhalt gelten weder als Büchersendung, noch lassen sich mehr als zwei Exemplare dieses unübertroffenen Machwerks als sogenannter Maxibrief verschicken. Kurz: Der Versand ist teuer, ab drei Heften beginnt das Päckchen - das ist das ganze Dilemma.
Da ich wider Erwarten und zum uneingeschränkten Unverständnis aller noch immer Student bin, werde ich mich nun dem beneidenswerten Kaiser Ludwig dem Bayern zuwenden. Ein Mann mit Schneid und Perspektiven. Ein Vorbild für die Politik aller Jahrhunderte. Vielleicht mache ich dann noch einen kleinen Ausflug in das quasi vor meiner Haustür gelegene Einkaufszentrum, in dem sich zwar alle Geschäfte im allsonntäglichen Tiefschlaf befinden, aber die Filiale der lobenswerten und seit jeher aufgrund ihrer fortschrittlichen Arbeitsbedingungen weit über die Grenzen Friedbergs hinaus berühmten Bäckerei Ihle noch bis 17 Uhr frisch gebackene und qualitativ hochwertige Köstlichkeiten anbietet. Eine katalytische Sensation in diesen Zeiten. Abschließend sei in aller gebotenen Kürze darauf hingewiesen, dass ich in den letzten Wochen immer wieder erwägte, eine Neufassung der "Stillen Tage in Clichy" in Angriff zu nehmen, war ich doch schon immer ein ausgewiesener Liebhaber Gesindels aller Art. Gelobt sei Jesus Christus.
Kommentare