Mittwoch, 30. April 2003
 Einige Tage der Sammlung liegen hinter mir. Vorgestern besuchte ich nahe dem Gendarmenmarkt die Studios des großen deutschen Privatsenders SAT.1. Aus Kostengründen und enormer Weitsicht verzichtete man dort früh auf repräsentativen Schnickschnack und eine noch repräsentativere Adresse im Herzen des alten Berliner Stadtzentrums. Ein idealer Ort zudem für ein Studio.
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Freitag, 25. April 2003
 Da musste sich doch dieser Herr Müsli dieses fürchterliche neue Nokia-Foto-Video-Handy anschaffen. Während ich mit Jannis telefoniere, sendet dieser mir ein Live-Foto, das mich wenige Sekunden später per E-Mail erreicht, aus dem von Müsli elegant und mit zufriedener Miene durch Augsburg gesteuerten BMW-Cabriolet mit seinem hinreißenden Schlüsselanhänger und ich bin vollkommen sprachlos.
Neulich noch ließ ich mich mit einem Bekannten über die sonderbarsten Todesarten von bedauernswerten Individuen aus unserem erweiterten Bekanntenkreis aus und über die noch viel eingängigere Tatsache, dass wir diese schrecklichen Schicksale niemals teilen könnten, da ja niemand von uns in seiner Freizeit mit dem Fallschirm aus abnormen Höhen gen Boden segelte, geschweige denn des Nachts in zugefrorenen mecklenburgischen Seen unter der Eisfläche paddelte oder gar die absonderlichsten und durchaus einem gesunden Weiterleben abträglichen Sexualpraktiken vollzöge. Nun aber wurde mir anhand eines schockierenden Artikels im Magazin Der Spiegel klar, wie gefährdet auch mein kurzes, kleines Leben ist, wie schnell all die Herrlichkeit des Daseins ein jähes Ende finden kann und wie schnell sich meine wissenschaftliche Begeisterung zu einer akuten Bedrohung für Leib und Leben wandeln könnte. Ein winziger Trost bleibt lediglich: Schließlich studiere ich nicht Mathematik, vielleicht wird es deswegend der Allmächtige besser mit mir meinen. Darüber drängt sich aber eine noch folgenschwerere Frage auf: Was wäre mit dem armen Professor geschehen, wenn er Physik unterrichtete?
Donnerstag, 24. April 2003
Beinahe könnte man endgültig verzweifeln. Warum nur sind alle Seminare an der TU Berlin so hoffnungslos überfüllt? Auch Pleite der Stadt, Numerus Clausus und Semesterticket können nicht die leise Konfusion verhindern, die sich jedes Semester steigert. Nachdem gestern bereits 156 Kommilitonen Amerikanische Verfassungsgeschichte von 1737-1791 hören wollten, fanden sich heute nur fünf Personen weniger in einem ähnlich komfortabel mit ausreichend Sitzmöglichkeiten auf dem Gang und zu Füßen des Dozenten ausgestatteten Raum zusammen, um der Pädagogischen Soziologie zu lauschen. Ich fühlte mich wie der Teilnehmer einer großangelegten soziologischen Feldstudie unter menschenunwürdigen Bedingungen. Außer der Unterscheidung zwischen Game/ Play bekam ich nicht viel mit. Nun, ein Gutes hatte das Seminar: blaue, enge, kurze Hemden angesichts enormer Temperaturen wunderbare Ausblicke über neunzig Minuten. Soziologie kann so rund, so schön sein.
Mittwoch, 23. April 2003
 Sicherheitshalber bat ich gar nicht erst um den Milchkaffee, den mir die nette ältere Dame, die seit vielen Jahren im Ali Baba in der Charlottenburger Bleibtreustraße als Bedienung beschäftigt ist und wahrscheinlich in irgendeiner Weise zur Familie gehört, nach siebzehn Uhr nicht mehr verkauft, weil sie mich vor übermäßigem Koffeingenuss schützen möchte.
"graue eminenzen" vollständig lesen
Sonntag, 20. April 2003
Gerade waren Jannis, Basti und ich auf dem Dreilinden-Sportplatz dabei, einigen jungen TusLi-Spielern das Fürchten zu lehren, da wurde ich Opfer einer gemeinen und hinterhältigen Lichterfelder Attacke auf mein linkes Fußgelenk. Bei einer Angriffssituation gelang es dem Lichterfelder seinen Fuß so geschickt unter den meinen zu bringen, bevor wir beide wieder landeten, dass ich umknickte. Ich erspare weitere Leidensdetails, denn damit verwöhnte ich die geneigte Leserschaft (wie auch meine Wenigkeit) in letzter Zeit übertrieben häufig. Außerdem wies Jannis mich an, nicht rumzuheulen und nicht ständig von meinem dick angeschwollenen und schmerzenden Fuß zu sprechen. Ich bin still, es ist Ostern.
Samstag, 19. April 2003
 Zum Osterfest gibt es die Nachlese. Wie lange versprochen die beiden Grundlagentexte, zwei Versuche von mir, die bereits vor Monaten entstanden: Die Maschinerie lief an und näherte sich diabolisch ihrer Bestimmung, während die eigene Müdigkeit, Resignation und Wut wuchs. Dazu ex machina und ohnmacht.  Mit der nötigen, gewissen Distanz, die gewollt war und für notwendig erachtet wurde, kann erneut der Blick auf die bewegenden bewegten Geschehnisse gewagt werden. Welche Gefühle werden sich wiederholen, welche nicht wieder empfunden werden, hat sich die eigene Einstellung oder Meinung verändert? Fragen, die ich mir auch immer wieder stellte, weshalb ich warten wollte, weshalb ich dem fünfteiligen Versuch nicht sofort weitere Gefühlsberge hinterher schicken wollte.
 Heute musste ich feststellen, dass Pharmamarketing im Besonderen und Betriebswirtschaftslehre im Allgemeinen schon etwas ganz anderes ist als beispielsweise Germanistik. Man arbeitet beispielsweise mit Büchern mit dem Erscheinungsjahr 2003 - man muss sogar. Bei meiner letzten Seminararbeit in Älterer Deutscher Literaturwissenschaft schrieb ich zwar auch eine ganze Menge,
"vorzüge des pharmamarketings" vollständig lesen
Freitag, 18. April 2003
Soeben höre ich wunderbare Musik aus dem vorletzten Jahrzehnt, den achtziger Jahren des letzten Jahrtausends. Sie kommt aus Frankreich (einiges ist wohl auch schon ein wenig älter und aus Belgien). Ich bin ohnehin der Meinung, dass viele sinnvolle Errungenschaften unserer Zivilisation ohne Frankreich, den sympathischen und bescheidenen Nachbarn im Westen, niemals auf uns dumpf-stumpfsinnige und ideenlose Deutsche herabgekommen wären.
"la grande nation" vollständig lesen
Donnerstag, 17. April 2003
Heute tief in der Nacht war ich mit Jannis und einem unendlich mulmigem Gefühl am Berliner Alexanderplatz Basketball spielen. Wir haben dort diesmal keinen Neonazi, dafür aber zwei nette und begabte Spielgegner getroffen - Studenten natürlich, deren Veranstaltungen an Humboldt-Universität und Universität Potsdam morgen selbstverständlich nicht zu früh beginnen. Vielleicht gibt es Hoffnung? Hardys Bruder empfahl mir in einem längeren Gespräch mich mit meiner Angst auseinanderzusetzen, sonst könne "was hängenbleiben - und zwar sehr lange". Sei es waghalsig oder töricht, aber ich gebe mir Mühe.
Ich erhielt heute den Hinweis auf einen fantastischen Artikel in der großen Berliner Boulevardzeitung B.Z. aus dem beliebten Axel-Springer-Verlag, der uns Männern in den besten Jahren wieder Mut machen sollte:
http://bz.berlin1.de/aktuell/news/030416/geil.html?print=on
Offenbar gibt es noch Hoffnung für uns alle. Ich möchte auch die gelungene Werbefotografie, die den Artikel ziert, unbedingt hervorheben - ich fühle mich von solchen Bilder immer sogleich angesprochen und dem Thema aufs Hilfsreichste nähergebracht.
Mittwoch, 16. April 2003
 Es ist ein sonderbares Gefühl, einen ganzen Tag lang über keinerlei Verpflichtung zu verfügen, außer vielleicht zu atmen oder die Toilette aufzusuchen. Auch wenn ich den halben Tag traditionell im Bett verbrachte, gelang es mir doch, noch bei Sonnenschein in die Stadt zu gelangen und - wenn auch die Birkenpollenbelastung unangenehmen Umfang erreicht haben muss, wie mir meine roten Augen mahnend und sehr drastisch verdeutlichen - einige kleine Momentaufnahmen anzufertigen.
"zeit für die sonne" vollständig lesen
Es gibt übrigens Sprachen, die so klingen, als bestünden Sie nur aus Körperfunktionslauten, fiel mir gestern des Nachts am Potsdamer Platz im ehemaligen Berliner Bezirk Tiergarten auf. Das befremdet nach einer überstandenen Linguistik-Prüfung doch sehr. Wenigstens verfügte ich nach solcher auch über die Gewissheit, dass ich nicht unbedingt dazu bestimmt wurde, ein hochangesehener Sprachwissenschaftler zu werden, wenngleich es in der Phonologie noch viele unerforschte Regionen zu geben scheint, in die vorzudringen wirklich zu lohnen scheint.
 Die ersten Bücher und Aufsätze, die noch bis vor kurzem den Alltag des Fußbodens meiner Wohnung bestimmten, sind im Regal verschwunden, die Prüfungen habe ich mit einem blauen Auge überstanden. Die Anspielung ist im höchsten Maße deiktisch und referiert auf so einiges. Schließlich musste ich ja tatsächlich mit blauem Auge in die Prüfungen, andererseits war auch die Linguistik-Prüfung ein kleiner Schlag ins Gesicht, der tat aber angesichts der guten Endnote nicht weh.
"heute meint gestern" vollständig lesen
Montag, 14. April 2003
Ich denke, dass heute ein guter Tag ist, um meine drei mündlichen Prüfungen zu bestehen, am Besten ordentlich. Die Sonne brach - dem Motto der Seite entsprechend - eben regelrecht durch die Lamellen, als ich sie langsam öffnete. Und es ist nicht nur hell draußen, sondern auch wieder heller in meiner Seele: Heute geht es auch meinem noch vom Samstag Morgen - man möge nachlesen - lädierten Bein besser. Der Kopf brummt nur noch ein klein bisschen.
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