Montag, 30. Juni 2003
 Ich habe heute ewig geschlafen und fühle mich dennoch, und das ist das eigentlich Überraschende, richtiggehend frisch und geistig gereinigt. Das ist ja nur in den seltensten Fällen so, wenn man viel zu lange im Bett bleibt. Also kann ich mich der Vorbereitung meiner Klausur in Amerikanischer Verfassungsgeschichte in neun Tagen widmen und ein wenig die Sonne auf dem Balkon genießen.
"ein halbes leben" vollständig lesen
Freitag, 27. Juni 2003
 Schon vor einigen Monaten verfasste ich in einem vermutlich schwachen und recht sentimentalen Moment ein kurzes Stück über die Stadt, die Nacht und die Einsamkeit. Manchmal gelingt es die Welt zu vergessen, und manchmal wird man von irgendwoher eingeholt. Wohl, weil Geschwindigkeit nicht verlässlich ist. Aber danach sucht man ohnehin vergebens. das leuchten.
Donnerstag, 26. Juni 2003
 Noch leicht von körperlichem Siechtum geschwächt kämpfte ich mich heute nach der Uni auch noch in meine Wohnung, die ich seit Wochen nur sporadisch aufsuche, um auf einen gutgemeinten Ratschlag zu hören. Ich könne ja ab und an auch mal die Post aus dem Briefkasten nehmen, sagte man mir, es könne ja etwas Wichtiges dabei sein - was ich natürlich sofort vehement verneinte, schließlich bekomme ich nichts außer Rechnungen oder Werbeschreiben.
"böses land" vollständig lesen
Montag, 23. Juni 2003
Ich selbst konnte das natürlich nicht erledigen (s.u.). Dafür fand ich dann die Auftragsbestätigung mit dem Kostenvoranschlag vor meinem Bett. Im Übrigen werden am Wagen nur die Dinge gemacht, die bei der Inspektion vor drei Wochen nicht erledigt werden konnten, weil Ersatzteile fehlten oder weil man sich noch überlegen musste, was wohl noch so alles mal verschlissen worden sein könnte. Und ich muss zur Feier des Tages feststellen, dass Florian Illies uns bald mit einer Fortsetzung seiner Generation Golf beglücken wird. Ich werd nicht mehr gesund.
 Ich bin nur ein wenig krank und melde mich deswegen nicht. Nicht aus Antriebslosigkeit, Dekadenz oder Vergesslichkeit etwa - nein, ich liege einfach flach und fühle mich entsprechend. Beileidsbekundungen bitte nur via Handy, denn ich lauf doch nicht extra zum Telefon. Ansonsten sollte das mal ein Ende nehmen, ich komme mit meinen Uni-Terminen ganz durcheinander und lesen kann ich auch nicht, weil mein Kopf da irgendwie nicht mitspielt.
Freitag, 20. Juni 2003
 Murat aus der Makabar in der Kreuzberger Oranienstraße wollte uns nicht glauben, dass auf unserer Rechnung noch ein Cocktail auftauchte, der während der Happy Hour, die von zwanzig bis einundzwanzig Uhr reicht, getrunken wurde. Schließlich war es bereits drei Uhr nachts, als wir bezahlten.
"idiotentum" vollständig lesen
Dienstag, 17. Juni 2003
Und so saßen wir auf der Terrasse unter den Sternen und aßen liebevoll zubereitete Lasagne mit vielen frischen Kräutern aus dem nahen Garten und tranken Schultheiss und starrten auf den Hund oder den Tisch oder etwas anderes und sagten gar nicht viel. Irgendwann musste jemand gehen und so gingen später auch wir eine Runde mit dem Hund um den Block. Und es war still, ruhig und friedlich und keiner dachte mehr zu viel an Frank Bsirske. Manchmal aber kam ein Gedanke an die vielleicht beste Inszenierung dieser Spielzeit am Berliner Ensemble. Leander Haußmann konnte in Hofmannsthals Elektra längst verschollen geglaubtes Talent beweisen, die Schlussszene, an die er manisch Hand anlegen muss, geriet wohl und alle lieben Aischylos und auch ein bisschen Sigmund Freund. Irgendwann wird alles gut.
Sonntag, 15. Juni 2003
 Ich fühle mich nach einem längeren Abend mit angenehmen Gesprächen im Haffar in der Charlottenburger Grolmannstraße, im Hamlet an der Wilmersdorfer Uhlandstraße und im Würgelengel (el angel exterminador, Mexico 1962) im Kreuzberger SO36 genötigt, einen Gedanken vorzutragen, der mir während der vergangenen Hitzewelle kam.
"ewige roma" vollständig lesen
Donnerstag, 12. Juni 2003
Der Mond schien mich schon die ganze Nacht in seiner Fastfülle zu verfolgen, weil es heute ein seltsamer Tag war. Erst bekomme ich diesen unerklärlichen und verleumderischen Schnupfen, dann wird anderen Menschen das Gas abgedreht - jeglicher Zusammenhang ist mir schleierhaft - und dann rettet - wer sonst? - Miroslav Klose schon wieder die gesamte Nation vor ihrer größten Blamage. Ich muss morgen zu meinem Soziologie-Seminar, vielleicht habe ich ja Glück und Sebastian kommt mit, und vielleicht habe ich ja noch mehr Glück und die Hitze hält wenigstens 90 der 180 KommilitonInnen vom Kommen ab, und vielleicht habe ich das allergrößte Glück und es wird sogar, das wäre dann aber eine große Ausnahme, interessant, und dann wäre morgen ein ganz seltsamer Tag.
Dienstag, 10. Juni 2003
www.bourgeoisie.de ist zurück, die Domain umgezogen, leicht zu merken und super zu buchstabieren - dem Schulfranzösisch sei Dank.
So versäume ich es nicht, auch gleich noch auf die Neuveröffentlichung eines kleinen Gedichts hinzuweisen, die gar nicht mehr so neu ist: Der letzte Segen ist nämlich schon seit geraumer Zeit verkauft. Auf einer düsteren Straße siehst du jemanden gehen, wohin ist nicht mehr von Belang. Ein Nachtrag: ins nichts.
Montag, 9. Juni 2003
 Heute Nacht träumte ich, ich wohnte in einem sehr teuren Hotel, es muss das Hilton in irgendeiner fremden, nicht näher spezifizierbaren Stadt gewesen sein. So musste ich an eine kürzlich fertiggestellte Erzählung von mir, sie heißt Silbernes Stadtstück, denken, und daran, dass sich die erste kritische Rezensentin bei mir beschwerte ob der Überfrachtung des Machwerks und der Tatsache, dass sie, die Rezensentin, die Erzählung nun schon viermal gelesen und noch immer nicht alles verstanden habe.
"wolkenberge" vollständig lesen
Samstag, 7. Juni 2003
 Da fällt mir manchmal so einiges ein. Eines der schönsten Bücher zur Nachtexistenz beispielsweise. Donnerstag Nacht und ich schiebe mich auf den vom Platzregen noch dampfenden, aber spürbar abgekühlten Straßen durch Kreuzberg - vorbei an den Absperrungen, die bereits auf den Karneval der Kulturen warten.
"wenn es nacht wird" vollständig lesen
Montag, 2. Juni 2003
 Entgegen anderslautender Meldungen größerer Berliner Postillen, die sich mit ihren Spielberichten leider disqualifizierten und deshalb hier keine namentliche Erwähnung finden können, war die Stimmung im Lautern-Block auch nach den drei Gegentreffern nachweisbar unnachahmlich gut. Ich bleibe den Beweis natürlich nicht schuldig (siehe rechts).
Sonntag, 1. Juni 2003
 Mit einem guten Gefühl die Baustelle Berliner Olympiastadion verlassen. Der abgekämpfte 1. FC Kaiserslautern, dem man den enormen Kraftakt des Klassenerhalts in der Rückrunde beinahe während des gesamten Pokalfinales deutlich anmerkte, vermochte zwar den Münchner Bayern nichts entgegenzusetzen, die mitgereisten Lautrer Fans verwandelten die Spielstätte aber vor allem nach dem aussichtslosen Rückstand in eine wahre Hölle.
"nur zum feiern hier" vollständig lesen
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