Dienstag, 22. Juli 2003
 Auch wenn man sich über die Scheußlichkeit und Niedertracht seiner Mitmenschen nicht fortwährend ereifern soll, und ich diese alberne Angewohnheit auch schon beinahe überwunden habe, kann ich es der Welt doch nicht ersparen, mein Wohlwollen über einen am Montag in der Berliner Morgenpost erschienenen Artikel kundzutun. Bereits am frühen Morgen wies mich ein sehr guter und wohlwollender Freund auf diesen journalistisch hochwertigen Beitrag hin, der - mit einem schönen Foto von Maren Gilzer und ihrem Lebensabschnittsgefährten geschmückt - eine Replik auf den atemberaubenden Tatsachenbericht des Sebastian D. zu sein scheint, welcher für sich in Anspruch nehmen darf, über weite Teile auch meine Empfindungen sowie meine bescheidene Meinung zu repräsentieren.
Montag, 21. Juli 2003
 Meines ausgewiesenen Lieblingsdozenten erstes umfangreiches Werk ist erschienen und wird sich bald meiner Hinwendung erfreuen, wenn ich einen brauchbaren Finanzierungsplan aufgestellt habe. Zum Glück riet mir der Autor spät am Abend des letzten Montags während des rauschenden Sommerfestes eines altgedienten und herausragenden Professors der Technischen Universität Berlin im Literarischen Colloquium am Wannsee dazu, mich über ein ähnliches Thema - etwa "Rechte adlige Eliten bei der Machtübernahme" - während meiner nahenden Steinigung mündlich prüfen zu lassen, so dass ich nun regelrecht zur Lektüre des historischen Schwergewichts gezwungen bin. Das ist ja nicht das Schlechteste. Meine weiteren Prüfungsthemen und die Spendenkontonummer auf Anfrage.
 Heute habe ich den Tag zwar zu spät, aber dennoch produktiv begonnen - das zweite Kapitel meiner aktuellen Erzählung ist, zumindest in einer fragmentarischen Vorstufe, fertig. Neulich hatte ich einige interessante Gespräche über meine Lyrik, auf die ich mich in den letzten Monaten nicht mehr ausreichend viel konzentriert habe.
Der richtige Augenblick, um das bereits vorhandene lyrische Material neu zu sichten und sukzessive zu veröffentlichen.
Es beginnt mit einem Bekenntnis und einem Aufruf zugleich - mein land handelt von der Gegenwart und der Vergangenheit, den verpassten Möglichkeiten und Fehlern - und vielleicht handelt es auch von unserer Zukunft.
Mehr Neuveröffentlichungen hier.
Mittwoch, 16. Juli 2003
 Fast muss man sich entschuldigen, aber natürlich lebt Bourgeoisie.de noch, auch wenn schöpferische Pausen das Gesamtbild trüben.
Doch ich eröffne den Sommer mit einem kurzen Gedicht von Oliver Krüger:
Von je her sei es die erträumte Absicht der Menschen, Augenblicken Dauer zu verleihen. und könntest du.
Sonntag, 13. Juli 2003
 Da ihr Stumpfsinn offensichtlich keine Grenzen kennt, fühlen sie sich gezwungen, die komplette Innenstadt zu vermüllen. Erstens durch ihre Anwesenheit und Existenz - sie torkeln im Drogen-, Alk- oder Debilitätsrausch überall zu Hunderttausenden herum, es ist dunkel, und es interessiert niemanden, aber sie torkeln einfach nur und brüllen und torkeln und sind eine einzige Zumutung, schlimmer noch als Peter Strieder - zweitens durch ihre widerlichen Hinterlassenschaften. Niemand will es sehen, niemand will hier Details hören, aber die Stadt steht im Dreck. In Kreuzberg hatte man übrigens seine Ruhe und auch in der Universum Lounge am Kurfürstendamm in Charlottenburg-Wilmersdorf, was nicht heißt, dass man in Charlottenburg-Wilmersdorf oder an weiten Teilen des West-Berliner Kurfürstendamms seine Ruhe hätte haben können am gestrigen Tag der geistigen Empfängnis und tief empfundenen Zuneigung. Selbst in die Wilmersdorfer Pariser Straße verirrten sich einige Verirrte und andere erhielten Anrufe aufgebrachter Schulversager, die, von Eifersucht und anderem getrieben, die verlorene Ehre ihrer Freundin wieder herzustellen wünschten. Heute versuche ich es am Besten mal mit dem Winterfeldtplatz, da gibt es schön viel CSD-Publikum - die benehmen sich wenigstens bei ihrer Parade und vor allem danach in der Stadt, vielleicht weil die von hier sind oder vielleicht auch aus ganz anderen Gründen.
Einen sehr schön detaillierten und liebevollen Beitrag zum Thema habe ich hier gefunden.
Freitag, 11. Juli 2003
 Schon gegen halb drei - kaum aus meinen erziehungswissenschaftlichen Seminaren entlassen - traf ich Kai in Lichterfelde-West das erste Mal in seinem neuen, tiefschwarzen Automobil, welches in der dumpfen Julisonne, die eine schwere Mätte über die Stadt verbreitete, glänzte. Die geweißelten Altbaufassaden verbreiteten ein Gefühl von fernem Sommer und reflektierten spröde und belanglos diffuses Licht auf das alte, glatte Pflaster.
"kippen in ketchuplachen" vollständig lesen
Mittwoch, 9. Juli 2003
Auch ich werde heute eine zweite Chance erhalten. Nachdem ich im letzten Semester noch in einen folgenschweren und letztlich unauflöslichen Disput mit meinem Geschichtsdozenten geschlittert war, was mich davon abhielt, in Früher Neuzeit einen Schein zu erwerben, werde ich heute mit Amerikanischer Verfassungsgeschichte der Zeit um die Amerikanische Revolution einen Zweiten Versuch wagen und die für den Scheinerwerb benötigte Klausur bestehen.
"zweite chance" vollständig lesen
Freitag, 4. Juli 2003
 Eben lese ich, noch sehr verwirrt vom wiederholten Betrachten der amerikanischen Verfassungsgeschichte, in Sebastians Blog von der Absicht des größten aller Theaterintendanten und langjährigen Thomas Bernhard-Haus- und Hofregisseurs und -Freundes, Claus Peymann, die Stadt Berlin zu verklagen.
"aux armes citoyens" vollständig lesen
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