Donnerstag, 20. November 2003
Erst hatte ich einen der französischen Nationalfeiertage hinter mich zu bringen und mir gelang es dank einer Einkaufsodyssee durch dennoch geöffnete Geschäfte und einem langen Abend im Irish Pub (L'Antidote - was für ein Name) relativ gut.
Anschließend machte ich mich auf meinen langen Rückweg über EU- und Nicht-EU-Zollgrenzen mit meinen wenigen, aber sehr schmackhaften Flaschen französischen Weins. Stuttgart, Konstanz, Stuttgart, Basel, Konstanz, Freiburg, Konstanz, Stuttgart. Inzwischen also wieder Augsburg, die Inspektionsanzeige meines Wagens blinkt seit ungefähr tausend Kilometern, es hat ein Gutes, ich kann deutsche Eigenschaften trainieren, das Weggucken, denn in meinem Blickfeld blinkt es auf der Instrumententafel inzwischen unentwegt.
Warum bekommt man in Frankreich zum McDonald's-Menu Ketchup und Mayonnaise bis zum abwinken und warum kostet in der Schweiz ein einzelner Burger mehr als ein ganzes Menu in Deutschland. Tiefgreifende Fragen, über die ich mir in den nächsten Tagen noch Gedanken machen werde.
Dienstag, 11. November 2003
Das dachte ich schließlich auch, als ich mich des Nachts den Berg zu meiner Residenz hochquälte, da die letzte Seilbahn bereits seit Stunden davongefahren war. Ich bin hingegen fest davon überzeugt, dass französische Synchronisationen weit besser zu verstehen sind als französische Filme im Original, wenngleich in diesem Land ab und an eine junge sogenannte Volksschauspielerin von ihrem ebenfalls schauspielenden Ehemann erschossen wird - in Deutschland ist so etwas glücklicherweise undenkbar. Hier im Kulturland Frankreich sorgt es dafür, dass ihre zugegebenermaßen jetzt auch eher letzten Machwerke zu echten Kassenschlagern werden. Der "l'homme du train" aus dem heute bewunderten Film übrigens erklärt sich mir durchaus simpel, wie anders soll jemand auch ausschauen, der mit Vorliebe auf Bahnhöfen lebt.
Mitten in der Stadt traf ich heute Mittag noch jemanden, der einen ähnlichen Eindruck auf mich hinterließ.
C. betritt einen Zeitungskiosk nahe des Place Belcourt, von dem er weiß, dass es dort die Süddeutsche für 2 Euro zu kaufen gibt. Clochard mit großem Rucksack, Isomatte und Norwegerpullover, graues Haar, Oberlippenbart (ebenfalls grau) - nicht allzu ungepflegt - steht am Zeitungsregal und liest umständlich die Bild-Zeitung.
Clochard: Wu awe einen Euro?
C.: Sind Sie Deutscher?
Clochard: Ja bin ick.
C.: Und Berliner.
Clochard: Ja, aber...
C.: Ich auch.
Clochard: Das gibt es ja gar nicht.
C.: Unglaublich.
Clochard: Aber mein Euro...
Er hat ihn bekommen, ist natürlich Binnenschiffer, Selbstaussage "bin obdachlos jewordn", aber sein Kapitän hat ihn irgendwo in Frankreich vom Schiff verbannt, da er sich mit ihm überworfen hat. Jetzt will er nicht mehr zurück nach Deutschland, schließlich schickte dieses "furschtbare lannt" erstens keine Blauhelme in den Kongo, zweitens betreibe es ausschließlich Politik gegen die Armen, die Benachteiligten, die sozial Schwachen ("jrade de neuje jesetzjebung jetz") und öffnete drittens die EU gen Osten. Er phrophezeite mir, ab nächstem Jahr stünden bei uns die Osteuropäer vor der Tür ("da werta alle noch schön oojen machn"). Da ich in absehbarer Zeit in meine Heimat zurückkehre, werde ich mich überraschen lassen.
Nach einem Besuch im romantischen Goethe-Institut, das nicht umhin kann, in mir ein stetes Gefühl von Zuhause zu verursachen, es fand in den großzügigen Räumlichkeiten soeben eine Schulung für französische Lehrer statt und im nächsten Monat (bis zum 18.12.) wird es regelmäßig deutsche Heimatfilme türkischer Regisseure zu bestaunen geben, stand ich am Abend an der Statue Ludwigs XIV., vor dessen Antlitz die Bestuhlung und die Bühnen für die für morgen geplanten Festivitäten im Dunkel gähnten. Bereits bei meinem Besuch im Park Tete D'Or, der grünen Lunge der Stadt, die durchaus Züge des Central Parks trägt, vor allem da es sich bei ihr ebenfalls um den einzigen grünen Fleck in der Innenstadt handelt, bemerkte ich außer dem Rehgehege und der pittoresken Dampflok, die schnaufend den See umrundete, die zahlreichen Zuschauertribünen, die entlang der Straßen aufgebaut wurden. Frankreich hat am 11.11. Feiertag (also eigentlich ganz ähnlich wie Kölle am Rhein, eine Koinzidenz?) und zelebriert den Sieg über Deutschland von damals - wobei das inzwischen schon einige Jahre zurückliegt, 1918. Vielleicht sollte ich auf die Straße, bei einer der Paraden einige Marschflugkörper, Panzer oder die Veteranen bewundern. Während ich wartete, stürmte auf mich ein Mitbürger dunkler Hautfarbe zu, der mir - laut singend - sofort um den Hals fiel und mir einige gute Wünsche entgegengröhlte. Selbstverständlich hielt er mich für einen Engländer - ich ließ diesen Pirat der Karibik, als den er sich ausweisen konnte, in seinem Glauben und schenkte ihm eine Zigarette, die sich wie zufällig noch in meiner Manteltasche befand. Wiederum folgten eine Reihe guter Wünsche, ein Lied, das über den ganzen Platz schallte und - der Höhepunkt - er fiel mir erneut um den Hals und küsste mich diesmal zudem überschwenglich.
Ich brachte mich an einigen Parkscheinautomaten deutscher Produktion vorbeieilend in Sicherheit. Ich glaube, mit Parkscheinautomaten verhält es sich ähnlich wie mit Rolltreppen, so etwas kann nur in Deutschland erfunden werden. Das Goethe-Institut hatte im Übrigen eine sehr saubere Toilette mit tiefblauem Spülwasser, und es duftete nach Blumen.
Montag, 10. November 2003
Konsequent hält man mich für einen Engländer. Damen reiferen Alters sprechen mich auf der Straße, in Schnellrestaurants oder in Straßenbahnen mild lächelnd an und erkundigen sich nach meiner Nationalität. Leider wird allzu oft - scheinbar bestehen seitens der Franzosen signifikante Verständnisschwierigkeiten - geradezu vorausgesetzt, bei mir könne es sich um nichts als einen Engländer halten. Das "Excuse me, Sir" des Obers in einem fantastischen Fleischrestaurant in der Lyoner Innenstadt, in dem man bei einem recht opulenten Vier-Gänge-Menü dinierte, hätte mich beinahe zur Weißglut bringen können, aber zum Glück stieß jener wohlbeleibte Kellner imselben Augenblick die Stuhllehne eines homosexuellen Franzosen mit einigen unfeinen Worten zurück, da dieser auf seinem Sitz gekippelt hatte. Ich als stolzester Neubürger der offensichtlich kulturlosesten Nation Europas ließ mich von solchen Nebensächlichkeiten natürlich von nichts abbringen und spies derart von allen Tischsitten befreit weiter.
Warum zum Teufel kann sich kein Franzose irgendetwas merken? Da gab es mal ein Buch vom deutschen Gedächtnisweltmeister, der mit der Gedächtnisvizeweltmeisterin verheiratet ist - beide treten zuweilen in unterdotierten Fernsehsendungen auf - das ich allen hier wärmstens empfehlen möchte. Mit einfachsten Eselsbrücken konnte man sich komplexe Zusammenhänge ins Hirn meißeln, man wählt zum Beispiel für die Bestellung einer Flasche Wein oder Wasser das Symbol für Wasser und Wein, einen Krug, dann behält man das Symbol im Kopf und wenn man einige Male an der Bar vorbeigeschritten ist, fällt es einem plötzlich wieder ein, man hat den Krug vor dem inneren Auge - man erinnert sich. Ähnlich könnte es mit einem imaginierten Symbol für Rechnungen (beispielsweise eine Rechnung), für schmutzige Toiletten (beispielsweise ein brauner Haufen einer undefinierbaren, dickflüssigen, übelriechenden Mélange) oder für Rückgeld (beispielsweise ein zerknitterter, rot schimmernder Zehn-Euro-Schein) funktionieren.
Rot schimmernd war vorgestern Nacht auch der vom Kernschatten der Erde verdunkelte Mond, sofort fühlte ich mich daher gestern inspiriert, eine Landpartie in die pittoreske Umgebung der Stadt zu unternehmen. Nun verstehe ich alles. Zentralismus ist ja so etwas Wunderbares. Kurz überlegte ich, ob ich Enrique Iglesias einen einladenden Brief schicken sollte, schließlich habe ich neulich in der Süddeutschen Zeitung lesen müsse, dieser habe sich durch die grenzenlose Tristesse Leipzigs und dessen Umgegend zu all den düsteren Kompositionen auf seinem neuen Album inspirieren lassen. Hier hätte er zu neuer kreativer Höchstform auflaufen können. Die Landschaft kann auch nichts mehr retten, gibt sie sich mit dem Herbst-Rot, -Gelb und -Braun auch noch solche Mühe, sie hat keine Chance gegen den Rost der Schilder und Werbetafeln, gegen all das Grau der Straßen, der zerfallenen Häuser, der abgewrackten Fabriken, die traurig in den vernebelten Himmel husten.
Sonntag, 9. November 2003
Liebe versammelte Festgemeinde, heute wanderte ich zuerst zu einer Neo-Renaissance-Neo-Gotik-Neo-Romanik-Kirche, die neben einem daneben befindlichen, pittoresken Mini-Eiffelturm, der ebenso wie das bleistiftförmige und alles übrige überragende Hochhaus der Crédit Lyonnais die Lyoneser vergessen machen (oder erinnern?) soll, dass sie nur die zweite Geige in der Grande Nation spielen, und die 1871 erbaut wurde, um die einrückenden Preußen gnädig zu stimmen. Am Kunstverstand der deutschen Soldaten muss gezweifelt werden, andernfalls hätte die tatsächlich bemerkenswerte Kirche sie eher zu allen möglichen und wohl folgenschweren Schandtaten anregen als davon abhalten müssen. So aber ist alles noch einmal gut gegangen - und Lyon steht noch immer, als wäre nie etwas gewesen, in seinen historischen Grundfesten gänzlich unberührt, wird von seinem klerikalen quietschbunten und von japanischen Touristen überfüllten Wahrzeichen überragt, und präsentiert sich lärmend und abgasschwanger mit seinen engen schmutzigen Gassen und monumentalen, reich verzierten Häusern und den unendlichen, weit verzweigten Gangsystemen dazwischen und darunter dem staunenden Gast und dessen schmerzenden Füßen.
Da ich trotz mehrmaligem demonstrativen Vorbeischreiten an der örtlichen Scientology-Zentrale (Wort wird vom T9 erkannt) keinerlei Aufnahme in die gemütliche Gemeinde an der altstädtischen Steiltreppe fand, bemühte ich mich um die Eingliederung in andere Kreise. Durch meine erfolgreiche, weil nicht gänzlich orientierungslose Wanderung durch die verwinkelten Hausgänge (traboules) habe ich mich auf den Pfaden der Résistancekämpfer und aufständischen, ebenso resistenten Seidenweber bewegt und somit die Aufnahme in höhere Kreise der lokalen Spitzfindigkeit und endzeitlichen Gleichgültigkeit erzielt. Geblendet von so viel Glück ließ ich mich als es draußen längst dunkel geworden war in einer indischen Teestube nieder - nieder meint auch nieder, denn man lag beinahe - wo ich einen Spitzendarjeeling vorgesetzt bekam. Man hätte Wasserpfeife rauchen können. Alles andere durfte man nicht rauchen, ich war entsetzt. Dafür zog man am Eingang die Schuhe aus, wie auf der Party, die ich genau vor einer Woche in Stuttgart besucht habe, bei der alle Beteiligten gute Laune hatten und Biologie oder Informatik studierten und noch viel mehr tranken, als sie es sonst zu tun pflegen, und die in einer Wohnung stattfand, die aussah, wie aus einer deutschen Vorabendserie, obwohl es sich nur um eine Wohngemeinschaft zweier offensichtlich befreundeter, und Biologie studierender Paarte handelte und in der sich überdies im Wohnzimmer ein Terrarium mit Skorpionen und ein weiteres mit Wüstenspringmäusen befand. Einige Informatiker gröhlten Schwerverständliches über den Stuttgarter VfB und ließen sich allzu leicht durch subversive Zwischenfragen abbringen. Manch einer trug Elchgeweihe, parlierte gekonnt über Diktaturen und die ihnen inhärente ganz eigene Tragik und setzte sich auch sonst in unangenehmer und geschmackloser Weise von der übrigen Festgemeinde - auf einer nach dem Eintreffen der Feiernden angefertigten Gästeliste, die an der Tür prangte, einzeln notiert - ab.
In Venissieux, einem Lyoneser Vorort befand sich ein Sammellager der Vichy-Regierung, heute ist es eines der französischen Vorstadtghettos, die wir aus larmoyant-trübseligen Filmdramen der frühen neunziger Jahre kennen, weshalb ich es nicht besuchen wollte, obwohl es mich brennend interessiert hätte, Kebap kann man schließlich auch überall sonst in der Stadt essen. Meine Großmutter hieß ebenfalls Charlotte.
Freitag, 7. November 2003
In einem Irish Pub in der Altstadt fühlte ich mich angesichts der lauschigen Klänge der E-Gitarre und aus der rauchigen Kehle des dauerstudierenden und ebenso lebensküstlerischen Engländers für einen kurzen Moment wie der Fool On The Hill und glaubte, den Abschied verstanden zu haben, wissend das es nur eine richtige Entscheidung geben kann - am Scheideweg zwischen dem Ideal und dem Opportunen.
Heute rief ich nacheinander erst bei der deutschen Zentrale der britischen Barclays Bank und dann dem Karten-Servicezentrum der Berliner Sparkasse an, um mich nach etwaigen Gründen für die zuletzt erlittenen Unannehmlichkeiten mit meinen Kreditkarten zu erkundigen. Pünktlich nach der Entwarnung hat mich heute die Matrix wieder ins System eingespeist, die illuminatorische Verschwörung ist beendet, und ich war in der Lage neben einigen kohlensäurefreien Wässerchen und einem überformatigen Frankreich-Plakat sogar -nach ausgiebiger und nicht immer verständlicher, obgleich ausgesprochen freundlicher Beratung - einen Balsam für meine zerschundenen Füße und zwei CDs in der hiesigen Filiale der deutschen Multimediakette Saturn (hier: planète Saturn) zu erwerben. Dazu passend las ich schon gestern in der an einem Kiosk nahe dem Place Belcourt erworbenen Süddeutschen evon der ausgesprochen europäischen Expansion der Media-Saturn AG. Auf dem Platz, der drittgrößte Frankreichs, thront hoch zu Ross und relativ übermächtig Louis Quatorze, eher unauffällig am Rand eine verträumte Marmorstatue für den größten Sohn der Stadt, mort pour la France 1944, Antoine de Saint-Exupéry. Ebenfalls aus Marmor hergestellt wurden auch all die wundersamen Säulen und Fragmente, die ich im Musée Galloromain nahe dem eindrucksvollen Amphitheater bewunderte, noch immer durch und durch beglückt über das großflächige Bodenmosaik, das über und über von Swastiken bedeckt war. Diese stammen aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert, und ich überlegte die ganze Zeit, ob sie wohl die einrückenden Nazis erfreut oder besänftigt haben mögen. Leider war Lyon heute zu diesig für die unnachahmliche Sicht, die man sonst von den Sitzreihen des Theaters genießen kann, dafür aber saß ich dort um Klassen bequemer als noch gestern während des überaus unerfreulichen Aufenthalts in der Basketballhalle des Vororts Villeurbanne.
Irgendwann etwas später war ich dennoch überglücklich festzustellen, dass das Irish Pub nicht nur wohlschmeckendes, wenngleich kaum erschwingliches Bier abseits der belgischen und französischen, zudem zu allem Überfluss hilflos aromatisierten Verbrechen ausschenkte, sondern auch über ein echtes und ausgesprochen sauberes Wasserklosett verfügte - sogar über zwei getrennte davon, eines für Männer und eines für Frauen, was noch viel gemütlicher war, als jenes in einer der zahlreichen Mc Donald's-Filialen, für dessen Benutzung ich den richtigen Toiletten-Code kennen und zielgenau auf der edelmetallenen Tastatur eintippen musste, und all jene wunderbaren Plumpsklos, die mich nun schon seit Tagen bescheiden duftend immer wieder und mit vergleichbarer Vehemenz erfreuen wie die Tatsache, dass ich mich ausschließlich auf Rolltreppen deutscher Produktion bewege und dass Berlin tatsächlich über das ambitionierteste und vor allem des Nachts ausdauerndste Nahverkehrsnetz zu verfügen scheint.
Mittwoch, 5. November 2003
Früher, besonders in ausgedehnteren Schweizurlauben, habe ich stets mit besonderer Vorliebe die sogenannte Lyoner Wurst genossen, nachdem jene zuvor zu überhöhtem Preis - und das trotz der hohen Subventionen, die jährlich in die Schweizer Landwirtschaft fließen - in einem Supermarkt, der auch exzellente Obstbrände führt, erworben wurde.
Nach einigen Tagen in Augsburg, München, Regensburg und einigen weiteren Tagen in Stuttgart und Tübingen, bin ich inzwischen nach gnadenloser Unterschätzung der tatsächlichen Entfernung zwischen Stuttgart und Frankreichs faszinierendster Metropole in Lyon eingetroffen. Es ist übrigens schön, dass eine Dieseltankfüllung problemlos ausreicht, weniger schön ist, dass ich schon an der ersten Mautstation entsetzt feststellen musste, dass weder meine EC-Karte, geschweige denn eine meiner Kreditkarte akzeptiert wird. Dieser höchst unerfreuliche Umstand setzte sich glücklicherweise auch bei weiteren Gelegenheiten an Tankstelle, im Restaurant und am Fahrkartenautomaten fort. Nun sitze ich vor einem beneidenswert leidenschaftslosen Kronenbourg, trauere leise allen badischen Tannenzäpflen hinterher und lausche dem - viel zu geringen - englischen Musikanteil im französischen Jugendradio. Franzosen haben eine schreckliche, kaum nachvollziehbare Vorliebe für schlechte Dance- und Technomusik, Plumpsklos, deutsche Fahrstühle und belgisches Nelkenbier. Manchmal denkt man schon, dass so ein Bombenkrieg eine sehr ungerechte Sache für ein ansprechendes Stadtbild sein kann. Zur Strafe habe ich mich wollüstig in die örtliche Saturn-Filiale (hier: planète saturn) am traumhaften Ufer der grün und schlammig dahinströmenden Rhone begeben und ordentlich was für den Auslandsumsatz deutscher Dax-Konzerne getan. Morgen gehe ich in einen Supermarkt mit 108 Kassen, ein römisches Amphitheater und zu Alba Berlins erster Europaliganiederlage im idyllischen Vorort Villeurbanne, dessen ansprechend verzweigtes Einbahnstraßennetz ich mir heute eher unfreiwillig und von hupenden, schimpfenden Brünetten in französischen Kleinwägen verfolgt schon näher bringen konnte.
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