
Neulich, genauer vor etwa zweieinhalb Wochen, schrieb ich einem Freund eine e-Mail. Heute fiel mir ein, inmitten meiner Hauptseminararbeitsverzweiflung, dieses kleine schimpfliche Traktat, kein Kompliment für niemanden, doch einfach mal hier in Ermangelung aktueller, berichtenswerter Vorfälle zu veröffentlichen.
Drink des Dages: Almond Roca (rockt) Caffe Latte
Track des Tages: Winson - Wovon lebt eigentlich Peter?
ich bin wieder gesund (man plagt sich ja gerne mit so einigen munteren kleinigkeiten, die das leben erst wirklich gemütlich machen) und seit einigen tagen bin ich wieder in berlin, vermutlich schon seit einigen wochen, denn die zeit vergeht wie im fluge, wenn man seminararbeiten für die uni zu schreiben hat, die kein ende nehmen wollen, denen aber eigentlich ein jähes terminliches ende gesetzt ist. ansonsten ist alles ganz wunderbar, denn das wetter ist schön. auch ich habe mich am sonntag vor das sogenannte cafe (accent fehlt garantiert) moskau (garantiert in kyrillischen buchstaben) in der frankfurter allee begeben, d. drängelte ja zuerst ein wenig und gab vor, die acht euro teure veranstaltung im gebäude, das sogenannte gmf, besuchen zu wollen, aber bald konnte ich ihn von meinem vorschlag überzeugen, vor der tür auszuharren, um so eine konkurrenzveranstaltung zum eigentlichen event im freien zu etablieren. mir schwebt dabei ein ähnliches projekt wie jenes vor, dass sich alldonnerstäglich am späteren abend vor dem wilmersdorfer far out am kudamm abspielt. auch dort sammeln sich orientierungslose, vornehmlich west-berliner, vornehmlich arschgrunewalder jugendliche, um sich gemeinsam mit ihren grenzdebilen verzogenenen pinkefreunden die eine oder andere tüte zu genehmigen, ohne unterlass diverse dahlemscheiße, vornehmlich über autos, pradaschühchen und kalbsledergürtelchen, von sich zu geben und ähnlich beschränkte sogenannte tussis anzugraben, die sich in behämmerte quietschbunte achtzigerjahre-gewänder mit dusseligen aufdrucken hüllen und sich mit ihren unvorstellbare beschränktheit offenbarenden beinahefrisuren von der unnachahmlich scheußlichen sogenannten nena aus ihren besten zeiten nur durch die fein ausrasierten achseln und die billigen hilfigerdüftchen unterscheiden. sie stehen sich also ihre kurzen golfspielerbeine in den wanst, bis die polizei in lustigen leuchtwesten, die beinahe auch ein wenig achtziger aussehen, und mit vierzig jahre alten sogenannten bullenwannen die ersten alkoholkontrollen auf der fahrbahn durchführt und die ersten teilnehmer dieser modernen form des sit-ins panisch die szenerie verlassen, um mamas ml400 wieder unversehrt in die garage zu chauffieren, wo er zum morgendlichen klatsch- und tratschritual bei zigaretten mit goldfilter und himbeersahnetarte im wiener kaffeehaus schon dringend benötigt wird. nach vier stunden also erachtete ich meine mission vor dem sogenannten cafe moskau als erfüllt, während ich zuvor mit einigem missionarischem eifer partygäste - viel war übrigens nicht los, außer dass mir namentlich bekannte personen jeden verbliebenen respekt in grauenvoller geschwindigkeit vernichtend und mit nackten verschwitzten oberkörpern durch das atrium (hieß im osten zum zeitpunkt der baulegung garantiert ganz anders) turnten und flyer an die versammelte festgemeinde verteilten - von der teilnahme an meiner antiveranstaltung zu überzeugen versuchte. am ende waren wir durchaus zu fünft und ich prophezeie, dass unsere bewegung unaufhaltsam wachsen wird, auch wenn nun der herbst hereinbricht, und ich nicht etwa im muscleshirt, sondern mit strickpulli und gefüttertem herrenmantel in der nächtlichen kälte des berliner ostens verharrte. für den nächsten sonntag habe ich bereits sieben hüfthohe metallene ständer, die im gelben licht der straßenlaternen wild funkeln werden, mit dicken roten samtkordeln und etwas vertrauenswürdiges sicherheitspersonal organisiert. ansonsten feiere ich in einer woche gemeinsam mit b. an einem malerischen see in der gottverlassenen uckermark (einen tag vor der dortigen machtübertragung an die alten seilschaften) zum ersten mal seit sieben jahren wieder geburtstag. das ist der letzte versuch vor dem vierzigsten, wenn dann alles vorbei sein wird.
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