Ich sehe es kommen, dass man mich noch als Brinkmann-Epigonen beschimpfen und abqualifizieren wird, aber nun las ich vorhin, nachdem der große Band lange auf meinem Nachttisch einstaubte und allmählich von achtlos beim Einschlafen bei Seite gelegten Thomas Bernhard-, Imre Kertesz- und Heinrich Heine-Bänden liebevoll begraben worden war,
schon wieder in "Rom, Blicke", das ich seit einem literaturwissenschaftlichen Seminar zu Italienbildern in der europäischen Reiseliteratur in meinem zweiten Fachsemester mein eigen nenne. Und wenig später lese ich das erste Gedicht von Boris Fuchs, das er heute auf
bourgeoisie.jayniz.de veröffentlichte. Es heißt "Ein Augenblick" und machte mich deshalb so stutzig, weil ich gerade heute mit dem bedeutungsschwangeren Satz meinen letzten Beitrag schloss, wir

bemerkten unsere "eigene Unbedeutsamkeit und Leere gegenüber der Komplexität des Daseins" - ein Thema sicherlich, mit dem ich mich auch lyrisch schon das ein oder andere mal beschäftigte.
Boris schreibt von einer Suche ohne Anfang ohne Ende, die schon vorher aufgegeben wurde, weil die Wirklichkeit keine Hoffnung zulässt. Und er schreibt von der qualvollen Bedeutungsleere der Orte und Straßen. Brinkmann in Rom - dreißig Jahre her: "alles, was geschieht, trifft immer den Einzelnen mit voller Wucht, jeder Schmerz, jede politische Auswirkung, jeder Zustand" und über die Menschen: "innerhalb der steigenden Quantität nimmt das Qualitätsgefühl des Einzelnen immer mehr ab, das ist ein Grund für die Apathie, die sich in der Atmosphäre von Straßenbildern zeigt, dieses graue langsame Verlöschen in einer großen Zahl, das Gefühl der Ohnmacht im Einzelnen wächst, von der Zahl hängt wiederum auch ab eine verstärkte Kontrolle, je mehr Menschen, desto mehr Kontrolle."
All das und die sonderbare Assoziation, die mich irgendwo auf einer breiten Hauptverkehrsstraße in Richtung Alexanderplatz anfiel, ist nichts als ein Gedanke in dieser Nacht, aber ich finde ihn gerade denkenswert.
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