
Da fällt mir manchmal so einiges ein.
Eines der schönsten Bücher zur Nachtexistenz beispielsweise. Donnerstag Nacht und ich schiebe mich auf den vom Platzregen noch dampfenden, aber spürbar abgekühlten Straßen durch Kreuzberg - vorbei an den Absperrungen, die bereits auf den Karneval der Kulturen warten.
Mit Özlem und Cilia Kaffee trinken gewesen, am Vormittag Referat mit Gruppenarbeit und Podiumsdiskussion und Beobachtungsgruppe (nur dazu da, den Ablauf zu beobachten, zu kritisieren und zu bewerten plus entsprechende Anregungen zu geben - didaktisch ganz großer Sport) durchgezogen. Özlem und Cilia wollten ins Bett gegen eins, ich nicht und ich dachte an die Nacht zuvor, da hatte ich mit Bidjan und Felix vor der Aral-Tankstelle an der Zehlendorfer Potsdamer Chaussee auf dem Boden gesessen, um zu reden und um mich sieben Jahre jünger zu fühlen - so ungefähr. In der Nacht auf Freitag aber fühlte ich wieder die sieben Jahre, die irgendwie gedacht und irgendwie gelebt worden sein mussten und so kann es eine Bürde sein ganz allein in Kreuzberg auf den sommerlichen Straßen, die einem Geschichten erzählen wollen, viele Geschichten, aber man will einfach nichts hören, nicht einmal die eigene Stimme aus dem Inneren.
Damit so etwas nicht gleich noch einmal passiert, war ich gestern Nachmittag mit DD erst einkaufen und habe mich dann ein wenig der schriftstellerischen Arbeit gewidmet. Zuerst gutgläubig im neuen Biergarten am Schlachtensee,
wo man ja immer so tolle Menschen treffen kann, der auf mich als Kunde in der Zukunft leider verzichten möchte, weil man sich zu fein ist, Milch für den auf der Karte angebotenen Latte Macchiato zu schäumen, und anschließend im Gourmet Sud, wo man auf mich als Kunde den allergrößten Wert legt, wo es die allerschönsten Bedienungen in Berlin gibt und darüber hinaus auch den besten, selbst von einer kleinen italienischen Rösterei importierten Kaffee in der ganzen Stadt. Die Ciabattas und Tramezzinis sind auch lecker und das vegetarische Frühstück. Danke.

Abend mit Alice, Flo und
DD in Mitte in der Oranienburger Straße, habe es sehr genossen, irgendwann begegneten wir Anja, Marcels Cousine Sandra und Marcel, ich habe Anja gleich mit meinem langen rechten Arm von der Bierbank aus angegrabbelt, als sie gerade nichtsahnend vorbeischlüpfte. Obwohl Marcel seinen Beschützerinstinkt zu Hause gelassen hat und ich Anja den Schock ihres Lebens verpasst habe /noch einmal Entschuldigung bitte/ wollten sich die drei schließlich doch noch zu uns setzen. Wir vertrieben die beiden ostdeutschen Touristinnen von der Bank ganz, nachdem sie zuvor schon freundlicherweise ein Stück nach außen gerutscht waren, um vorerst uns vieren Platz zu geben. Auf eine wundervolle Innovation möchte ich noch hinweisen und um rege Nachahmung bitten: Gen Mitternacht kamen aufreizend knapp und rot gekleidete Menschen an die Tische und verteilten kostenlose knappe und rote Campari-Cocktails und -Longdrinks an die staunende Gästeschaft.
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