
Ich fühle mich nach einem längeren Abend mit angenehmen Gesprächen im Haffar in der Charlottenburger Grolmannstraße, im Hamlet an der Wilmersdorfer Uhlandstraße und im Würgelengel (el angel exterminador, Mexico 1962) im Kreuzberger SO36 genötigt, einen Gedanken vorzutragen, der mir während der vergangenen Hitzewelle kam.
So musste ich immerfort, während ich mich auf stickigen Herrentoiletten - sei es im Mathegebäude der Technischen Universität Berlin oder im Kaffee Balzac am Charlottenburger Ernst-Reuter-Platz - befand an die Zeit der Kursfahrt mit meinem Geschichte-Leistungskurs im Sommer 1998 nach Rom denken. So war der römische Juni 1998 einer der heißesten römischen Junis, die überhaupt vorstellbar sind und wir bewohnten das Kloster eines katholischen Ordens. Dieses Kloster verfügte über die üblichen monastisch kargen Sammelduschen, die gleichzeitig als Toiletten dienten und in diesen Duschtoiletten war es unbeschreiblich schwül - von den Duschen - und unbeschreiblich heiß - von draußen - ganz im Gegensatz zu den sonstigen Räumen des Klosters, die aufgrund der alten, massiven Steinwände ungewöhnlich kühl waren und besonders im Gegensatz zum wunderbaren Innenhof des Gebäudes, in dessen Mitte sich ein plätschernder Springbrunnen befand, den man von der umlaufenden Gallerie im ersten Stock aus beschauen konnte. Manchmal konnte man von dort, von langen Tagesmärschen schläfrig geworden unter den weiten Rundbögen sitzend und noch mit dem wunderbaren Nachgeschmack eines auf dem Campo di Fiore erworbenen Eises im Mund, auch den ehrwürdigen Abt mit seinem schneeweißen Haar erblicken, der langsam von zwei Ordensbrüdern über den Hof geführt wurde.
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