
Ich habe heute ewig geschlafen und fühle mich dennoch, und das ist das eigentlich Überraschende, richtiggehend frisch und geistig gereinigt. Das ist ja nur in den seltensten Fällen so, wenn man viel zu lange im Bett bleibt. Also kann ich mich der Vorbereitung meiner Klausur in Amerikanischer Verfassungsgeschichte in neun Tagen widmen und ein wenig die Sonne auf dem Balkon genießen.
Außerdem scheine ich tatsächlich wieder gesund zu sein, was mich sehr erfreut, da die Krankheit auch eine ungebührliche Zumutung für meinen Geist respektive meine Denkfähigkeit darstellte. Schon eine Woche bin ich nicht eine Zeile sinnvollen Schreibens vorankommen, was mich spätestens gestern Nacht, die ich im schönen, mild-sommerlichen ehem. Bezirk Kreuzberg von Berlin ausklingen ließ, endgültig zu wurmen begann. Heute lese ich im Spiegel erst, dass
die Berliner Autorin Inka Parei den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat und dann

noch
ein Interview mit dem von mir hochgeschätzten Autor Siegfried Lenz, das vor einem imposanten Bücherregal in dessen holsteinischem Haus geführt wurde. Auf den zu erwartenden Roman freue ich mich, zumal ich gerade vorletzte Nacht den ersten und bislang einzigen Roman der französischen Dramatikerin Yasmina Reza ausgelesen habe - was, wie mir gerade bewusst wird, ebenfalls als Ursache der enormen Leere innert meines Kopfes herhalten könnte. Gestern Abend, aus dem Biergarten kommend, als ich bei Charlotte im großen, roten Kombi saß, spukte irgendwann das Instrumental-Thema einer amerikanischen Fernsehserie aus den Boxen des CD-Radios, es handelte sich dabei um den großartig traurig-melancholischen Song Suicide Is Painless, der allerdings - dies sei warnend angemerkt - in der furchtbar schlechten Coverversion von Marylin Manson nicht zu ertragen ist. Nun trinke ich noch einen Schluck aus der großen Tasse Earl Grey zu meiner Linken, frage mich, wer mich heute Abend auf eine Mini-Pizza, das sollte mein Magen nun endlich wieder mitmachen, in den Straßenbereich des Ali Baba in der Charlottenburger Bleibtreustraße begleitet, und werde mich dann voller Pflichtbewusstsein zum Lernen auf den sonnenüberfluteten Balkon begeben.
Kommentare