In einem Irish Pub in der Altstadt fühlte ich mich angesichts der lauschigen Klänge der E-Gitarre und aus der rauchigen Kehle des dauerstudierenden und ebenso lebensküstlerischen Engländers für einen kurzen Moment wie der Fool On The Hill und glaubte, den Abschied verstanden zu haben, wissend das es nur eine richtige Entscheidung geben kann - am Scheideweg zwischen dem Ideal und dem Opportunen.
Heute rief ich nacheinander erst bei der deutschen Zentrale der britischen Barclays Bank und dann dem Karten-Servicezentrum der Berliner Sparkasse an, um mich nach etwaigen Gründen für die zuletzt erlittenen Unannehmlichkeiten mit meinen Kreditkarten zu erkundigen. Pünktlich nach der Entwarnung hat mich heute die Matrix wieder ins System eingespeist, die illuminatorische Verschwörung ist beendet, und ich war in der Lage neben einigen kohlensäurefreien Wässerchen und einem überformatigen Frankreich-Plakat sogar -nach ausgiebiger und nicht immer verständlicher, obgleich ausgesprochen freundlicher Beratung - einen Balsam für meine zerschundenen Füße und zwei CDs in der hiesigen Filiale der deutschen Multimediakette Saturn (hier: planète Saturn) zu erwerben. Dazu passend las ich schon gestern in der an einem Kiosk nahe dem Place Belcourt erworbenen Süddeutschen evon der ausgesprochen europäischen Expansion der Media-Saturn AG. Auf dem Platz, der drittgrößte Frankreichs, thront hoch zu Ross und relativ übermächtig Louis Quatorze, eher unauffällig am Rand eine verträumte Marmorstatue für den größten Sohn der Stadt, mort pour la France 1944, Antoine de Saint-Exupéry. Ebenfalls aus Marmor hergestellt wurden auch all die wundersamen Säulen und Fragmente, die ich im Musée Galloromain nahe dem eindrucksvollen Amphitheater bewunderte, noch immer durch und durch beglückt über das großflächige Bodenmosaik, das über und über von Swastiken bedeckt war. Diese stammen aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert, und ich überlegte die ganze Zeit, ob sie wohl die einrückenden Nazis erfreut oder besänftigt haben mögen. Leider war Lyon heute zu diesig für die unnachahmliche Sicht, die man sonst von den Sitzreihen des Theaters genießen kann, dafür aber saß ich dort um Klassen bequemer als noch gestern während des überaus unerfreulichen Aufenthalts in der Basketballhalle des Vororts Villeurbanne.
Irgendwann etwas später war ich dennoch überglücklich festzustellen, dass das Irish Pub nicht nur wohlschmeckendes, wenngleich kaum erschwingliches Bier abseits der belgischen und französischen, zudem zu allem Überfluss hilflos aromatisierten Verbrechen ausschenkte, sondern auch über ein echtes und ausgesprochen sauberes Wasserklosett verfügte - sogar über zwei getrennte davon, eines für Männer und eines für Frauen, was noch viel gemütlicher war, als jenes in einer der zahlreichen Mc Donald's-Filialen, für dessen Benutzung ich den richtigen Toiletten-Code kennen und zielgenau auf der edelmetallenen Tastatur eintippen musste, und all jene wunderbaren Plumpsklos, die mich nun schon seit Tagen bescheiden duftend immer wieder und mit vergleichbarer Vehemenz erfreuen wie die Tatsache, dass ich mich ausschließlich auf Rolltreppen deutscher Produktion bewege und dass Berlin tatsächlich über das ambitionierteste und vor allem des Nachts ausdauerndste Nahverkehrsnetz zu verfügen scheint.
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